Servi Jesu et Mariae
Diener Jesu und Mariens
Kongregation päpstlichen Rechtes
deum Invenire in omnibus

Was sind ignatianische Exerzitien?

Bei Ignatius von Loyola begann eigentlich alles mit einem «Gnadenschuss». Während der Verteidigung der Festung Pamplona zerschmetterte eine Kanonenkugel dem 29jährigen Offizier am Pfingstmontag des Jahres 1521 ein Bein. Auf dem Krankenlager, wo er Monate Zeit hatte, sich auch näher mit Gott zu beschäftigen, kam es zu einer Verwandlung. Aus dem Höfling und zuchtlosen Soldaten, „mutwillig im Spiel, in Frauengeschichten, in Raufhändeln und Waffentaten“, wie ihn später einer seiner Vertrauten beschrieb, wurde ein Heiliger.

Das faszinierende bei Ignatius ist, dass er seinen Weg vom Höfling zum Heiligen, das Wirken der Gnade Gottes, ganz bewusst wahrgenommen und genau beobachtet hat. Diese Anleitung zum Weg der Gnade, der ihm aufzeigte, wie man wirklich glücklich werden kann, hat er im Exerzitienbuch skizziert. Denn wahres Glück ist ja nichts anderes als eine tiefe Einheit mit Gott, ein Leben nach seinem Willen, in seiner Liebe.

Nach der Zeit auf dem Krankenlager verweilte er zehn Monate in Manresa. Diese Zeit war gekennzeichnet von viel Trost und Seelenqual, Ignatius rang mit innerer Dürre, empfing aber auch überreich die Eingießungen göttlichen Lichtes. Der Soldat Ignatius musste kämpfen, wie viele andere Heilige auch. Noch als älterer Mann und Ordensgeneral des von ihm gegründeten Jesuitenordens nannte er diesen Lebensabschnitt die große Zeit der Gnade Gottes. Da erhielt er Erkenntnis und Verständnis bezüglich vieler Dinge des geistlichen Lebens und der Wahrheiten des Glaubens.

Das unscheinbare Exerzitienbüchlein hat nicht nur den großen und wirkungsvollen Jesuitenorden geprägt, sondern auch unzählige Heilige geformt. Die Gegenreformation in Deutschland wäre ohne die Exerzitien nicht denkbar.  Jahrhunderte lang wurden Priester und auch viele Laien durch die «Geistlichen Übungen», wie Ignatius selbst sein Werk nennt, auf dem Weg des Glaubens geführt.

Der hl. Franz von Sales hat einmal gesagt, dass durch dieses Büchlein mehr Seelen gerettet worden seien, als es Buchstaben habe. Ignatius selbst war davon überzeugt, dass die Exerzitien nicht einfach sein Werk, sondern die Frucht einer höheren Eingebung waren.

Ignatianische Exerzitien richten sich also nach dem Exerzitienbuch des hl. Ignatius. Dabei geht es um eine Vertiefung und Erneuerung des geistlichen Lebens. Durch das Einüben und Praktizieren des inneren, betrachtenden Gebetes wird die Gottesbeziehung gestärkt und der einzelnen Seele ermöglicht, den Willen Gottes leichter zu erfassen.

Warum Exerzitien und warum ignatianische Exerzitien?

Kernstück der ignatianischen Exerzitien sind die täglichen vier Betrachtungen.

  • Sie stärken die Liebe zu Gott, weil man ihn besser kennen lernt.
  • Stille und Gebet helfen, eine innige Beziehung zu Christus zu bekommen.
  • Die ignatianischen Betrachtungen geben Anleitung, mit Christus im inneren Gebet zu sprechen und unser ganzes Leben auf seinen Plan mit uns und seine Liebe zu uns hinzuordnen.
  • Zu Fragen über Kirche, Glaube, Sorgen, Zukunftspläne und ähnlichem geben die Exerzitien eine Hilfe, Antwort in der Weise zu finden, wie Gott es für uns am besten erachtet.
  • Eine Woche Ruhe, Stille, Friede und Geborgenheit in den Händen Gottes, die richtungsweisend für den Alltag sein soll.
  • Große Liebe zu Gott, begeisternde Freude am Glauben und tiefes Vertrauen auf die Vorsehung Gottes, die uns im Leben trägt und gegebenenfalls eine Neuordnung oder Weichenstellung für die Zukunft sollen Früchte guter Exerzitien sein.

Gebet und Schweigen

Persönliche Betrachtung und Schweigen begleitet durch den Exerzitienmeister sowie Hl. Messe, Rosenkranz und Gelegenheit zur eucharistischen Anbetung ermöglichen eine Woche in gemeinschaftlichem Gebet und zugleich ganz individueller Ausgestaltung. Obgleich es täglich vier Vorträge gibt, gilt: nicht der Exerzitienmeister predigt die Exerzitien, sondern der Exerzitand macht sie, er verweilt bei Jesus, spricht mit ihm, hört ihm zu.

Für alle, die es wünschen, besteht die Möglichkeit der persönlichen Aussprache mit dem begleitenden Priester. Die ignatianische Exerzitienform ermöglicht eine persönliche Führung und ein individuelles Eingehen auf die Fähigkeiten und Bedürfnisse des Exerzitanden.

Man muss die Exerzitien machen, um sie kennen zu lernen

Sollten diese Erklärungen jemandem gleich sieben Siegeln erscheinen oder gar die Befürchtung aufkommen lassen, dass das alles ziemlich langweilig oder eintönig werden könnte, so kann man nur entgegnen: Der liebe Gott ist unendlich spannend! Wenn Sie sich ihm in dieser einen Woche schenken, wird auch er Sie reich beschenken. Grundsätzlich ist es so, dass er mit seiner Großzügigkeit, sofern wir ihm nichts entgegensetzen, unsere Erwartungen stets weit übertrifft.