Drei Jesuitenmärtyrer

während der englischen Katholikenverfolgung

in "Der Ruf des Königs", Nr. 17, 1.Quartal 2006

 

Im folgenden bringen wir drei Kurz-Biographien über Jesuitenmärtyrer, die in der englischen Katholikenverfolgung auf grausamste Weise hingerichtet wurden, und zwar aus drei Gründen:

1. weil sie Katholiken waren,

2. weil sie Priester waren und

3. weil sie Jesuiten waren.

Den Irrenden muß man achten und lieben. Aber gegen den Irrtum muß man mit den Waffen des Geistes und des Gebetes kämpfen. Die Anglikaner müßten eigentlich erröten, wenn sie an die Entstehungsgeschichte ihrer Abspaltung von der katholischen Mutterkirche denken.

Der grausame sexuelle Lustmensch Heinrich VIII. und eine brutale Königin Elisabeth stehen am Anfang der englischen „Reformation“. Für einsichtige Anglikaner wäre der einzig richtige Weg der Weg des Kardinals Newman, der zur kath. Kirche zurückkehrte.

Die heutige Anbiederung katholischer Kreise mit den reformatorischen Irrtümern ist eine einzige Ohrfeige gegenüber den Märtyrern in England.

A. Hönisch SJM

29. November 2005

 

 

Sel. Thomas Woodhouse SJ

(?-1573)

Noch bevor die Gesellschaft Jesu den Boden Englands betrat, sollte sie ihn mit Märtyrerblut tränken. Zwei Priester, die um des Glaubens willen im Kerker schmachteten, erhielten vor ihrem gewaltsamen Tod die Aufnahme in den Orden: Thomas Woodhouse und John Nelson.

Der erste war der selige Thomas Woodhouse, der am 19. Juni 1573 nach zwölfjähriger Gefangenschaft gehängt und gevierteilt wurde. Es war ihm gelungen, einen Brief an den Oberen der Gesellschaft Jesu in Paris gelangen zu lassen, der sein sehnsüchtiges Verlangen, als Jesuit zu sterben, aussprach. P. Garnet, der spätere Provinzial, schickte über ihn einen langen Bericht nach Rom.

Thomas Woodhouse wurde Priester zur Zeit der katholischen Königin Maria, kurz vor ihrem Tod im November 1558, und erhielt eine Pfarrei in Lincolnshire. Er mußte sie aber noch vor Ablauf eines Jahres beim Regierungsantritt der neuen Königin Elisabeth I. wieder verlassen, weil er nicht, wie vom Staat gefordert, vom katholischen Glauben abfiel und Protestant wurde.

In Wales fand er im Haus eines Edelmanns einen Platz als Hauslehrer. Aber auch hier konnte er nicht länger bleiben, ohne mit seinem Gewissen in Konflikt zu kommen. Er verließ deshalb das protestantische Haus. Wenig später wurde er wegen seines katholischen Glaubens verhaftet und ins Fleetgefängnis in London geworfen, wo er bis zur großen Pest blieb, die im fünften Jahr der Regierung unter Elisabeth ausbrach.

Aus Angst vor der Pest bat der Gefängnisaufseher Mr. Tyrrel die Königin, sich mit allen katholischen Gefangenen auf sein Landgut zurückziehen zu dürfen. In diesem Landhaus bewies Woodhouse seinen Mut und seine Glaubenstreue. Obwohl ihn die anderen Katholiken, oftmals Doktoren, Vorwürfe machten, zelebrierte er ohne Rücksicht auf die Protestanten täglich in seinem Zimmer.

Als die Fastenzeit begann, aß Mr. Tyrrel täglich Fleisch, obwohl er innerlich zum Katholizismus neigte. Woodhouse machte ihm mehrmals schwere Vorwürfe, daß er das Fastengebot nicht halte (Damals war dies eine kirchliches Fastengebot). Er drohte, das Haus zu verlassen, wenn Tyrrel nicht anfange, Verzicht zu üben.

Zum Schrecken des Gefängniswärters fehlte er wirklich wenig später an der Mittagstafel. Erleichtert atmete Tyrrel auf, als ihm aus London gemeldet wurde, Thomas Woodhouse sei ins Gefängnis zurückgekommen, weil er nicht mehr auf dem Land leben wollte.

Wenn es ihm gelang, einen Mitgefangenen wieder mit der katholischen Kirche auszusöhnen, tat er dies, ohne auf die Lebensgefahr zu achten, die ihm dabei drohte.

Im November 1572, kurz nach Erscheinen der Bulle Pius V., in der die Absetzung der englischen Königin verkündet wurde, hatte Thomas Woodhouse den Mut, einen Brief an Cecil, den Schatzmeister der Königin, zu schreiben. Er machte ihm heftige Vorwürfe wegen seines Glaubensabfalls und beschwor ihn, sich dem Papst zu unterwerfen und die Königin zum gleichen Schritt zu bewegen. Cecil ließ diesen „Verrückten“ zu sich kommen. Der Staatsrat beschäftigte sich mit ihm und bald wußte ganz England, daß Woodhouse an Cecil geschrieben hatte. Alle Versuche, ihn als einen Irren hinzustellen, scheiterten. So kam er schließlich in ein strengeres Gefängnis. Ein Gericht verurteilte ihn des Hochverrats, weil er behauptet hatte, die Königin sei vom Papst abgesetzt worden und deshalb nicht mehr Königin. Auf dem Rückweg ins Gefängnis wurde er schwer mißhandelt. Vor seinem Matertod forderte er noch einmal die Königin auf, sich dem Papst zu unterwerfen. Das Volk schrie: „Weg mit ihm!“

Wahrscheinlich wurde er kurz vor seinem Brief an Cecil bei den Jesuiten aufgenommen.


30. November

III. Alexander Briant S.J.

(1555 [?]-1581)

Nachdem die beiden Jesuiten Woodhouse und Nelson in England hingerichtet worden waren, gelang es dem seeleneifrigen Priester Dr. Wilhelm Allen, der in Douay und in Rom ein englisches Priesterseminar gegründet hatte, den Ordensgeneral P. Eberhard Mercurian zu bestimmen, Jesuiten nach England zu schicken. Die ersten, die im Juni 1580 den gefahrvollen Boden betraten, waren Robert Persons, Edmund Campion, Thomas Cottam und die Laienbrüder Ralph Emerson und Georg.

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich unter den Katholiken die frohe Kunde von der Ankunft der Jesuiten. Aber am allermeisten trug die wutschnaubende Königin selbst dazu bei, dieses Ereignis im ganzen Land bekanntzumachen.

Die ganze Meute ihrer Geheimspitzel wurde losgelassen, Persons und Campion einzufangen. Edikt folgte auf Edikt, um alle als Hochverräter zu erklären, die einem Priester Obdach gewähren oder seinen Aufenthalt nicht anzeigen wollten. Das Unterhaus beschloß einen Buß- und Bettag als „Heilmittel gegen das Gift der Jesuiten“.

Nachdem P. Campion seine „Zehn Gründe“, eine klare und logisch zwingende Apologie (Verteidigung) des katholischen Glaubens, veröffentlicht hatte, stieg die Wut der Feinde bis zum Äußersten. Als sie die Wohnung Persons fanden, fiel ihnen ein junger Priester von 25 Jahren in die Hände: Alexander Briant. Nach den alten Berichten war er bei allen wegen seines liebenswürdigen Charakters sehr beliebt.

Nun wurde der Selige so schrecklich gefoltert wie kaum ein anderer, weil man von ihm zu erfahren hoffte, wo P. Persons sei, und wer P. Campions „Zehn Gründe“ gedruckt hatte. Vom Kerker aus schrieb der Selige mit seinen durch die Folter ganz verrenkten und geschwollenen Fingern einen Brief an die Väter der Gesellschaft Jesu in England und bat inständig um die Aufnahme in den Orden.

Schon zwei Jahre zuvor, gesteht der Märtyrer, habe er, beschämt durch die freigiebige Liebe Gottes, diesen Entschluß gefaßt. Nun aber habe er an dem Tag, da er zum ersten Mal gefoltert werden sollte, im Gebet von himmlischen Erleuchtungen und Tröstungen erfüllt, durch ein Gelübde sich zum Eintritt in den Orden verpflichtet.

„Dieses Gelübde“, schreibt er, „gereichte mir in meiner äußersten Not und Folterqual zur größten Freude und zum innigsten Trost, und es gab mir Mut, mit größerem Vertrauen vor den Thron der göttlichen Majestät hinzutreten und unter Fürsprache der allerseligsten Jungfrau und aller Heiligen um Kraft und Geduld zu bitten.“ Von seiner letzten Folter schreibt er in demselben Brief: „Ob, was ich jetzt mitteile, ein Wunder war oder nicht, weiß ich nicht; Gott weiß es. Aber wahr ist es, das bezeugt vor Gott mein Gewissen.

Und ich erkläre also, daß ich bei der letzten Folterung, als die Feinde am grausamsten gegen meinen Körper wüteten und mir Hände und Füße gewaltsam ausspannten, nicht nur von beinahe jeglichem Schmerzgefühl frei war, sondern auch, durch die vorhergehenden Qualen wie neugekräftigt, bei voller Besinnung, klarem Geist und ruhigem Herzen fest blieb.“

Der Brief fand rechtzeitig den Weg zu P. Persons, und die Bitte des heldenmütigen Dulders wurde erfüllt. Bevor die Henker ihm das Leben raubten, hatte er es Gott durch die Ordensgelübde zu einem vollkommenen Opfer dargebracht. An demselben Tage wie P. Campion sollte er die Märtyrerpalme erringen.

 

 

 

2. Dezember

Sel. Thomas Cottam S.J.

(1549-1582)

Am 28. und 30. Mai 1582 wurden in London 7 Priester zur Hinrichtung geführt, unter den letzten vier befand sich Thomas Cottam S.J. Man zwang ihn, der Vierteilung des seligen Richardson zuzusehen. „Oh Herr, was für ein Schauspiel hast Du mich sehen lassen!“ wiederholte er dabei mehrmals. Aber auch dieses schreckliche Schauspiel macht ihn nicht wankend.

„In Te, Domine, speravi,“ betete er, „non confundar in aeternum“ (Auf Dich, oh Herr, habe ich gehofft, in Ewigkeit werde ich nicht zuschanden werden). O Domine, Tu plura, plura pro me passus es“ (Oh Herr, Du hast mehr, viel mehr für mich gelitten).

Als man den Leichnam Cottams zur Vierteilung entkleidete, fand man ihn bis zu den Knien in ein Bußkleid von gröbster Sackleinwand gehüllt.

So glaubte dieser Märtyrer zu allen Kerkerqualen bis zum letzten Augenblick noch freiwillige Buße für seine Sünden üben zu müssen.

Thomas Cottam hatte nämlich in seiner Jugend ein leichtes Leben geführt. (Wir sollten hier bedenken, dass nicht jede Buße für jedermann geeignet ist.) 1558 konnte er sich in Oxford den Titel eines Bachelor of Arts erwerben und anschließend in London eine Lateinschule leiten. Der Bekenner Thomas Pound führte ihn zu Gott und zur katholischen Kirche zurück. Er ging dann in das Seminar von Douay und von da nach Rom in das Noviziat der Gesellschaft Jesu. Die Oberen wollten ihn in die indische Mission schicken, aber seine Gesundheit war schwankend, darum sollte er sie zunächst in der Heimat stärken.

Vor seiner Rückkehr nach England empfing er 1580 die heiligen Weihen in Frankreich. Aber aus der Erholungsreise wurde nichts. Schon bei der Landung in Dover im Juni desselben Jahres wurde er erkannt. Freiwillig stellte er sich dem Gericht.

Sofort wurde er eingekerkert und mehrmals gefoltert. Im Gefängnis durfte er seine Gelübde ablegen. So traf ihn das Todesurteil, weil er Priester und Jesuit war. Noch unter dem Galgen wurde alles daran gesetzt, den jungen Blutzeugen zum Abfall zu bewegen. Er wies alle Angriffe zurück und konnte so die Märtyrerkrone, die ihn vielleicht in Indien erwartet hätte, aus der Hand seiner Landsleute empfangen.