Die Spiritualität der
Diener Jesu und Mariens (SJM)

von P. Paul Schindele SJM, in "Der Ruf des Königs", Nr. 4, 4.Quartal 2002

 

Jede Ordensgemeinschaft hat gewisse Elemente, die ihr mit anderen Gemeinschaften gemeinsam sind und gewisse, über die nur sie selbst verfügt und in denen sie sich von anderen Gemeinschaften unterscheidet. Ich möchte die Spiritualität der SJM folgendermaßen umschreiben: Die Diener Jesu und Mariens sind eine Gemeinschaft von Ordensleuten, die nach den ursprünglichen Regeln des hl. Ignatius leben, den beiden heiligsten Herzen Jesu und Mariens geweiht sind, aufgrund der aktuellen liturgischen Situation eine besondere Betonung auf die Feier der hl. Messen legen und in besonderer Weise der Methode des katholischen Pfadfindertums verbunden sind.

1) Die SJM ist eine Gemeinschaft von Ordensleuten:

Als vor 14 Jahren die SJM gegründet wurde, war es von Anfang an klar, dass es eine Ordensgemeinschaft werden sollte. Dazu gehört vor allem und zuerst das Leben nach den drei Ordensgelübden Armut, Keuschheit und Gehorsam. Was bedeuten diese drei Gelübde?

a) Beginnen wir mit der Armut: Ein Ordensmann, der das Armutsgelübde abgelegt hat und lebt, hat keinen eigenen Besitz. D. h. es gehört ihm streng genommen nichts. Das bedeutet natürlich nicht automatisch, dass er in wirklicher Armut leben wird, in den meisten Fällen wird er alles Notwendige haben, aber es gehört ihm eben nicht selbst. Mit Einverständnis des Ordens, bzw. vertreten durch den zuständigen Oberen, gebraucht er all die Dinge, die er für seinen persönlichen Lebensunterhalt (Kleidung, persönliche Ausrüstung u. ä.) und für seine Arbeit benötigt. Da sie ihm aber nicht gehören, ist er über die Verwaltung dieser Dinge Rechenschaft schuldig und er kann sie nur in dem Rahmen gebrauchen, der mit dem Orden abgesprochen ist, also kann er sie z. B. nicht einfach weiter verschenken. In manchen Fällen werden gerade die Dinge, die er für seine Arbeit benützen und verwalten wird, von hohem materiellen Wert sein, so z. B. ein Auto, ein Computer oder ähnliches. Bei bestimmten, durch den Orden übertragenen Aufgaben, sind die finanziellen Summen noch viel höher, der Ökonom einer Provinz verwaltet unter Umständen mehrere Häuser, größere Spendenkonten und anderes.

Aber all dies geschieht im Auftrag des Ordens, in Verantwortung diesem gegenüber und nicht im eigenen Interesse und nach eigenem Gutdünken. Natürlich ist es wichtig, dass dieses „nicht nach eigenem Gutdünken“ auch konkretisiert wird. So z. B. durch regelmäßige Rechenschaft oder durch gelegentliche Erneuerung der Erlaubnisse, diese Dinge benutzen zu dürfen. Für den Orden selbst wird es allerdings auch wichtig sein, dass er als Ganzes darauf achtet, nicht unnötigen Besitz anzuhäufen. Ansonsten besteht sehr schnell die Gefahr, dass der Einzelne zwar nichts besitzt, in der Gemeinschaft aber ein Luxus angehäuft ist, den sich ein Laie, besonders wenn er eine Familie hat, selten wird leisten können. Dadurch aber wäre es sehr schwer, das eigentliche Ziel des Armutgelübdes, nämlich die innere Unabhängigkeit vom Besitz und das Verfügbarsein für den Dienst Gottes, auch wirklich zu leben.

b) Das Gelübde der Keuschheit, oder Ehelosigkeit. Die zweite Bezeichnung ist unmissverständlicher, denn zu einem keuschen Leben sind alle Menschen, nicht nur die Ordensleute verpflichtet. Die Ordensleute verzichten aus freiem Entschluss, um des himmelsreichen Willen, auf die Ehe und auf eine eigene Familie. Es ist aber wichtig, dass dies niemals aus Geringschätzung der Ehe und Familie gegenüber geschehen darf, sondern aus einer positiven Hinwendung zu dem ungeteilten Dienst an Gott. D. h. der Ordensmann muss sich im klaren darüber sein, dass auch die Ehe ein sehr hohes Gut ist, auf das er aber um Christi willen verzichtet. Es versteht sich von selbst, dass ein Leben nach diesem 2. Gelübde sich nicht auf den Verzicht auf diese Lebensform allein beschränken darf, sondern auch im Umgang mit den Menschen, besonders dem jeweils anderen Geschlecht gegenüber, sich zeigen muss. Der Ordensmann wird sich also um einen geistlichen Stil bemühen müssen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Eine gute Volkstanzveranstaltung, an der sich Laien gerne erfreuen können, verträgt sich nicht mit der gottgeweihten Lebensweise eines Ordensmannes. Ohne die anderen Menschen in irgendeiner Weise gering zu achten, zeigt dieser durch sein Leben, dass er ganz Gott gehören möchte. Gerade dadurch aber soll er frei sein, allen Menschen, die ihm anvertraut sind, ohne Ansehen der Person und ohne sich durch persönliche Zu- oder Abneigung leiten zu lassen, zu dienen.

Das Gelübde des Gehorsams: Während die ersten beiden Gelübde dazu helfen sollen, sein Herz weder an Besitz, noch an andere Menschen zu hängen, soll dieses Gelübde dazu führen, dass der Ordensmann frei wird von seinem eigenen Willen. Man könnte dies missverstehen, so als ob er das eigene Denken und die eigene Initiative aufgibt, um nur das zu tun, was ihm andere auftragen, so als eine Art „Dienst nach Vorschrift“. Das jedoch wäre falsch. Vielmehr wird jemand, der den Gehorsam in vorbildlicher Weise lebt, sehr wohl, je nach Aufgabe, sehr viel eigene Initiative entwickeln, aber eben in Absprache mit seinem Oberen. Und er wird bereit sein müssen, wenn dieser nach kluger Abwägung der Gründe und nach Gebet anders entscheidet, auf die Durchsetzung seines eigenen Willens zu verzichten. Immer natürlich unter dem Vorbehalt, dass der Obere keine Sünde verlangt. Hinter diesem Verhalten steht die Überzeugung, dass der Ordensmann durch die Stimme seines Oberen durch Gott selbst geführt wird und, dass es verdienstvoller ist, sich freiwillig einem anderen Willen zu unterwerfen, als in allen Dingen nur seinem eigenen Willen zu folgen. Es liegt auf der Hand, dass der Obere somit eine große Verantwortung trägt und seinerseits, wenn er seine Aufgabe ernst nimmt, durch diese geformt wird und lernen muss, wirklich im Herrn zu entscheiden. Denn schließlich soll er in seiner Autorität Gott selbst vertreten.

Neben den jetzt kurz skizzierten Ordensgelübden wird das Leben in einer Ordensgemeinschaft besonders durch die Ordensregeln bestimmt. Die Gelübde bilden das notwendige Fundament, aber viele Dinge des Alltags werden durch diese ja noch nicht konkret geregelt. Tagesplan, die von jedem Mitglied täglich zu verrichtenden Gebete, die Ausbildung und die Art und die Schwerpunkte der Arbeit, um nur einige Beispiele zu nennen, bedürfen genauerer Bestimmungen. Für die SJM haben wir dafür die altbewährten Regeln des hl. Ignatius ausgewählt. Dies hat besonders zwei Gründe. Der eine ist ganz praktischer Natur. P. Hönisch als „Ziehvater“ der Gemeinschaft ist Jesuit durch und durch – was sollte er uns anderes weitergeben als das, was er selbst ein Ordensleben lang praktiziert hatte. Der tiefere Grund aber ist der, dass uns die Regeln des hl. Ignatius am besten für die Art der Gemeinschaft schienen, die unserem geistigen Auge vorschwebte. Warum? – Als Ignatius am Beginn des 16. Jahrhunderts die Gesellschaft Jesu ins Leben rief, wollte er eine sehr straff geführte Gemeinschaft von Männern, die fest gefügt waren in ihrem geistigen Leben, die aber darüber hinaus zu jeder Art von Seelsorgsarbeit befähigt und bereit waren. Um mit modernen Begriffen zu sprechen, eine „schnelle Eingreiftruppe“ von wirklich spirituellen Männern, die ihre Klausur im Herzen tragen, aber bereit sind zu allen Arbeiten, die ihnen die Kirche übertragen würde. Also keinen beschaulichen Orden, sondern einen Seelsorgsorden, der in seiner Arbeit aber aus einem fundierten geistlichen Leben Frucht ziehen kann. Der Arbeit selbst sollte keine Grenze gezogen sein, außer der, dass sie der größeren Ehre Gottes und dem Heil der Seelen dienen sollte. – Und genau dies schwebte auch uns vor.

Wir übernahmen daher das „Summarium der Gesellschaft Jesu“ nebst den anderen Regeln, wobei natürlich die eine oder andere Regel den veränderten Zeitumständen und unserer ganz speziellen Ausrichtung in der SJM angepasst werden musste. Bei unserer Anerkennung durch den Vatikan im Sommer 1994 hat die Kirche dann auch bestätigt, dass unsere Gemeinschaft auf den Regeln des hl. Ignatius aufbaut.

Seit dieser römischen Anerkennung sind die Ordensgelübde, die ein Mitglied unserer Gemeinschaft ablegt, sogenannte „öffentliche Gelübde“, d. h. sie sind keine private Angelegenheit des Einzelnen, sondern ganz offiziell Sache der Kirche und von dieser durch das Kirchenrecht geregelt. Wenn ein neues Mitglied seine erste Ordensausbildungszeit als Novize abgeschlossen hat, legt er in der Regel zeitliche Gelübde für die Dauer von drei Jahren ab. Er verpflichtet sich damit in feierlicher Weise zur Einhaltung der drei Ordensgelübde und zu einem Leben gemäß den Ordensregeln der SJM. Es ist eine liebende Vorsichtsmaßnahme der Kirche, dass diese Gelübde zuerst einmal für drei Jahre abgelegt werden. Nach diesen drei Jahren ist das Mitglied frei, sich weiter zu binden, oder nicht. Dies soll jedoch lediglich unnötigen Schwierigkeiten vorbeugen, für den Fall, wenn es sich herausstellen sollte, dass es doch besser sein würde, wenn sich das Mitglied vom Orden wieder trennt. Eine Trennung wäre im Falle der zeitlichen Gelübde wesentlich einfacher als bei ewigen Gelübden. Das Mitglied selbst, das die zeitlichen Gelübde ablegt, tut dies aber natürlich in der Absicht, sich auch später an das Leben in der Gemeinschaft zu binden. Nach Ablauf der drei Jahre der zeitlichen Gelübde bindet man sich schließlich durch die ewigen Gelübde auf Dauer an die Gemeinschaft. Eine Trennung wäre jetzt zwar immer noch möglich, jedoch nur durch eine römische Dispens und nur aus sehr schwerwiegenden Gründen.

Eine Eigenart der SJM, die sich so, wenn überhaupt, nur bei sehr wenigen Gemeinschaften finden wird, ist die Weihe an das göttliche Herz Jesu und an das unbefleckte Herz Mariens. Nicht, dass es diese Weihe nicht auch in anderen Gemeinschaften geben würde. Aber der Nachdruck, der bei uns darauf gelegt wird, ist dennoch ein besonderer. Neben der Erneuerung dieser beiden Weiheakte innerhalb der Gemeinschaft an besonderen Festtagen in feierlicher Form, ist nämlich jeder SJM’ler verpflichtet, täglich diese Weihe mit eigenen Worten zu erneuern und zu leben. D. h. die SJM ist ohne die konkrete und gelebte Hingabe an die beiden heiligsten Herzen Jesu und Mariens gar nicht zu denken. Was bedeutet dies? – Als Diener Jesu und Mariens halten wir diese Bezeichnung nicht allein nur für den Namen unserer Gemeinschaft, sondern als wesentliche Beschreibung unserer Berufung und Aufgabe. Sowohl die Gemeinschaft, als auch jedes einzelne Mitglied soll sich darüber im klaren sein, dass Jesus und Maria die Oberen sind, die die SJM leiten und über sie verfügen können. Und wir vertrauen darauf, dass beide, solange wir von unserer Seite nicht mit den Akten der täglichen Hingabe nachlassen, auch dafür Sorge tragen, dass der göttliche Wille an und mit uns geschieht. Außerdem haben wir die feste Hoffnung, dass durch diese tägliche Hingabe der Himmel selbst uns hilft, treu in unserer Berufung zu sein. Wir sehen in dieser Weihe die beste Garantie dafür, dass die SJM im Sinne Gottes wirkt und fruchtbar wird. Ohne uns dadurch verleiten zu lassen auf der faulen Haut zu liegen, werden Jesus und Maria die Geschicke der Gemeinschaft leiten, was eine nicht geringe Beruhigung angesichts täglicher Schwierigkeiten und Herausforderung, aber auch großer Pläne und Aufgaben ist.

Das liturgische Anliegen der SJM: Wir sind von unserer Spiritualität und Aufgabenstellung her keine Gemeinschaft, die zuerst und vor allem ein liturgisches Anliegen hätte, wie dies z. B. bei der Petrusbruderschaft der Fall ist. Unser Anliegen ist ganz allgemein eine würdige und innige Feier des hl. Messopfers. In langen Zeiten der Kirchengeschichte wäre dieses Anliegen aber überhaupt nicht besonders ins Gewicht gefallen, da es in jeder Gemeinschaft und in jeder Pfarrei vorhanden gewesen wäre. In der aktuellen Zeit kann man davon jedoch nicht mehr ausgehen. Zu groß ist der allgemeine Verfall und die Experimentierfreudigkeit am heiligsten Geschen, dass uns Menschen von Gott anvertraut worden ist. In sehr vielen Messfeiern tun sich die Gläubigen sehr schwer, sich auf den Kern des Geschehens, nämlich das Opfer Christi, zu konzentrieren, einfach, weil durch viele erlaubte und nicht erlaubte Varianten, Zusätze und Experimente das hl. Messopfer selbst fast bis zur Unkenntlichkeit entstellt worden ist.

In dieser Situation wird unser allgemeines liturgisches Anliegen natürlich zu einem ganz besonderen, einfach aus der Not der Situation heraus. Daher haben wir uns auch entschieden, die Feier der hl. Messe sowohl nach der Form des allgemein gebrauchten Missales von Papst Paul VI., als auch in der „alten“ Form von 1962, dem sogenannten „alten Ritus“ in unsere Ordenssatzung zu schreiben. Jeder Priester unserer Gemeinschaft hat somit offiziell von Rom her das Recht, die hl. Messe in beiden Formen zu feiern. Dies hat zwei ganz entscheidende Vorteile: Zum einen ist es für die Spiritualität eines Priesters von wirklich unschätzbarem Wert, wenn er, gerade auch in der privaten Feier der hl. Messe, dies in der „alten“ Form zelebrieren kann. Durch die dabei verwendeten sehr innigen und das Opfer und das Mysterium der hl. Messe besonders zum Ausdruck bringenden Symbolik und Gebete, wird er selbst in seinem Beten und Zelebrieren ständig auf das Wesen der hl. Messe gestoßen und hin erzogen. Zum anderen haben wir im Hinblick auf die Gläubigen die Möglichkeit, die Form zu wählen, die von diesen erbeten wird. und mit vollzogen werden kann. Das bedeutet natürlich für die Zelebration in den Pfarreien und Jugendgruppen in der Regel den „Novus ordo“, bei vielen anderen Gelegenheiten aber ergreifen wir freudig die Gelegenheit, auch im „alten Ritus“ die hl. Messe feiern zu können. Grundsätzlich ist es aber gerade bei der Zelebration im „Novus ordo“ unser Anliegen, unter den verschiedenen zur Auswahl stehenden Möglichkeiten die zu wählen, die am deutlichsten zur wesentlichen Mitfeier des Messopfers hinführen. Hier wären z. B. zu nennen: Die Verwendung des 1. Hochgebetes (des sog. „Römischen Kanons“); stellenweise leises Beten des Kanons, damit die Gläubigen die Möglichkeit zum persönlichen Gebet erhalten; Zelebrieren zum Tabernakel hin als Ausdruck dafür, dass der Priester mit dem Volk und stellvertretend für dieses, Gott das eucharistische Opfer darbringt.

Bleibt als letztes charakteristisches Merkmal die Methode der Pfadfinderbewegung. Im Volksmund nennt man die SJM schon gelegentlich den „Pfadfinderorden“. Es wird dadurch sehr richtig zum Ausdruck gebracht, dass wir einen sehr direkten Bezug zur Pfadfinderei haben, auch wenn es sich im Verlauf unseres Wachstums ganz von selbst ergibt, dass nicht mehr jedes Mitglied so in der Pfadfinderbewegung verwurzelt sein wird, wie dies in den ersten Jahren der Fall gewesen ist. Wie ich im ersten Artikel erwähnt hatte, waren alle sieben Gründungsmitglieder der SJM langjährige und begeisterte Pfadfinder. Und nur, weil sie dies waren und nach einer Möglichkeit suchten, dieses Pfadfinderleben auf der Ebene des Ordenslebens weiter zu pflegen, erblickte die SJM das Licht der Welt. Schon deshalb bleibt das Pfadfindertum und ganz speziell die katholische Pfadfinderschaft Europas immer mit der Entstehung der SJM verbunden. Aber dies wäre zu wenig. Der Geist des katholischen Pfadfindertums selbst soll im Leben der SJM zu spüren sein. Und zwar ganz konkret. In der Einfachheit des persönlichen und des gemeinschaftlichen Lebensstils, in der Fähigkeit und der Bereitschaft, sich selbst zu helfen und zu versorgen. Nach wie vor kümmern sich unsere Mitglieder weitgehend selbst um Wäsche, Kochen und Putzen. Und selbst wenn dies aus praktischen Gründen nicht immer vernünftig sein wird, muss man dennoch nach Möglichkeiten suchen, wenigstens einen Teil dieser Aufgaben selbst zu erledigen.

Gerade in dieser Einfachheit, die zu früheren Zeiten völlig normal war, die aber in unserer heutigen Zeit ziemlich verloren gegangen ist, sehen wir eine konkrete Umsetzung des Ordensideals, besonders in der Armutsfrage. In diesem „Sich selbst versorgen-können und -wollen“ liegt aber auch ein großer Vorteil für die Seelsorge. Ein Priester mit seinen zahlreichen, geistlichen und sozialen Verpflichtungen schwebt immer etwas in der Gefahr, den Bezug zur direkten handwerklichen Arbeit zu verlieren, einfach, weil sich ihm wenig Zeit und Gelegenheit dazu bietet und, weil er sich in seiner Bequemlichkeit auch leicht davon entschuldigen möchte. Dabei kann es gerade für die Betreuung der Menschen, die mit ihrer Hände Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen müssen, von Nutzen sein, wenn man deren Situation aus der eigenen Erfahrung kennt. Man versteht sie leichter und weiß auch diese Arbeit zu schätzen.

Über dieses Leben des Pfadfinderideals im Ordensalltag hinaus bietet die Pfadfindermethode auch ein überaus brauchbares Instrument für die Seelsorge in der Jugend. Die Pfadfinderbewegung war in ihrer Entstehung eine Gegenreaktion auf die immer weiter um sich greifende Entfremdung der Menschen vom Leben in der Natur und von der Auseinandersetzung mit deren Kräften. Erst durch die Technisierung des täglichen Lebens war ein Band, das den Menschen mit seiner natürlichen Umwelt verband, zerschnitten worden. So gesehen ist die Pfadfinderei ein Produkt der modernen Zivilisation. In einem rein ländlichen Leben war sie früher ziemlich überflüssig. Nun haben sich diese Bedingungen seit Gründung der Pfadfinderbewegung eher noch verstärkt. Die Methode ist also aktueller denn je. Daher betrachten wir sie als bevorzugtes, wenn auch nicht als ausschließliches Erziehungsmittel in der Jugendarbeit. Und schließlich war und ist die Jugendarbeit ein Hauptschwerpunkt der Aufgaben, für die die SJM gegründet wurde. Der Vatikan selbst hat dies bei unserer Errichtung, ohne unser Zutun, erkannt und die Betreuung der Pfadfinder als einen Schwerpunkt unserer Arbeit extra im Errichtungsdekret der Gemeinschaft vermerkt. Daher haben wir auch die feste Absicht, dass überall dort, wo SJM-Patres ihre Arbeit aufnehmen, über kurz oder lang Pfadfindergruppen entstehen.

P. Paul Schindele, SJM