Und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen (Mt 16,18)

von P. Andreas Hönisch Sup. Gen. SJM, in "Der Ruf des Königs", Nr. 4, 4.Quartal 2002

Ein Artikel über die wahre Ökumene.

 

In der vorherigen Ausgabe vom „Ruf des Königs“ habe ich über die „wahre Ökumene“ geschrieben. Am Beispiel des Lebensweges von P. Jon Svensson S. J. (Nonni) habe ich aufgezeigt, worin letztlich die wahre Ökumene nur bestehen kann: in einer Rückkehr zur Mutterkirche, zur una, sancta, catholica et apostolica ecclesia (die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche).

 

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Ich will im Folgenden die Gedanken über die wahre Ökumene ergänzen, vertiefen und erweitern.

Ich habe mit Absicht für diesen Artikel als Überschrift die Worte Jesu aus Mt 16,18 gewählt. Denn wenn ich mich nicht scheue, Rückkehrökumene als die einzige wahre Möglichkeit zu bezeichnen, um wieder zur Einheit der gespaltenen Christenheit zu gelangen, dann muß ich auch sagen, wer zu wem zurückkehren muß. Was gemeint ist, dürfte klar sein: Die verschiedensten christlichen Denominationen müssen sich auf den Weg begeben, um zur Mutterkirche zurückzukehren, von der sie sich getrennt haben. Zurück ins Vaterhaus! Jesus wartet längst auf ihre Heimkehr.

 

Daher ist es gut, das Vaterhaus, die geliebte katholische Kirche, etwas genauer zu beschreiben, damit jeder nicht-katholische Christ sich ein Bild von dem Haus machen kann, in das er zurückkehren soll.

 

Ich will deshalb versuchen, in diesem Artikel in drei Abschnitten über folgende Bereiche zu schreiben:

1) über die katholische Kirche,

2) über die Ökumene unter Christen und

3) über die so genannten interreligiösen Gottesdienste und den interreligiösen Dialog.

 

1. Die katholische Kirche

Sie ist die geliebte Braut unseres Herrn Jesus Christus, und sie ist unsere über alles geliebte Mutter. Wer über sie lästert, betrübt Jesus, den Bräutigam der Braut. Und wer sie mit Schmutz bewirft, beleidigt uns Katholiken, die wir Kinder unserer Mutter sind, der heiligen katholischen Kirche.

Warum habe ich gesagt „unsere über alles geliebte Mutter?“ Sollen wir nicht Gott allein über alles lieben? Ja, das sollen wir! Aber die Kirche ist nach katholischem Verständnis der auf Erden zwar geheimnisvoll, aber real weiter lebende Mensch gewordene Gottessohn Jesus selbst! Er hat ja sein Versprechen gegeben: „Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt!“ (Mt 28,20) Und was Gott verspricht, das hält er! Mit Recht wird die Kirche „corpus Christi mysticum“ genannt, der geheimnisvolle Leib Christi! Und er ist es auch: Christus das Haupt und wir die Glieder. Darüber schreibt der hl. Paulus im 1. Korintherbrief Herrliches und Tiefes. Wenn wir also die Kirche als unsere Mutter über alles lieben, so lieben wir Christus über alles, der das Haupt der Kirche ist. Und dieser Kirche, der katholischen Kirche, unter dem Nachfolger des hl. Petrus, dem Papst, hat Jesus versprochen: „Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen!“ (Mt 16,18) Und auch dieses Versprechen hält Gott mit göttlicher ewiger Treue!

Die katholische Kirche hat diesen Satz aus Mt 16,18 immer wie folgt interpretiert: Bis ans Ende der Zeiten wird in der katholischen Kirche niemals ein Glaubensirrtum feierlich zum Dogma erhoben werden! Dies ist bis heute nicht eingetreten und es wird auch niemals eintreten; denn träte es ein, dann hätten sie die „Pforten der Hölle die Kirche überwältigt“. Nicht ohne Grund wird der Satan Vater der Lüge genannt. Würde es ihm je gelingen, in die authentische offizielle Lehre der katholischen Kirche Lüge und Irrtum einzuschleusen, dann hätte er die Kirche überwältigt, was ihm aber nie gelingen wird.

Diese kurz skizzierte Unfehlbarkeit des Papstes oder der Bischöfe mit dem Papst zusammen (niemals ohne den Papst!) besagt nicht, daß der einzelne Bischof oder gar der Papst im persönlichen Bereich nicht irren könnten, sondern es bedeutet, daß, wenn ex Kathedra vom Papst oder von den Bischöfen mit dem Papst zusammen eine Glaubensentscheidung getroffen wird (feierlich unter Berufung auf die Unfehlbarkeit, in Glaubens- und Sittenfragen, für die ganze katholische Kirche), dann die Kirche unfehlbar ist. Und bisher hat die Kirche nie ein Dogma zurückgenommen, und es wird auch nie der Fall eintreten, daß ein Dogma uminterpretiert oder gar zurückgenommen wird.

Wenn also die getrennten Christen in die katholische Kirche zurückkehren, kehren sie ins Vaterhaus der Wahrheit zurück. Dies allein schon dürfte für die völlig verunsicherten Menschen von heute eine Sache höchster Attraktivität sein! Aber das ist noch nicht alles. Das Vaterhaus ist, wie oben schon erwähnt, die una, sancta, catolica et apostolica ecclesia, d. i. die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Zu diesen vier Eigenschaften sind ein paar wichtige Erklärungen abzugeben, damit man sie nicht falsch versteht.

Die eine Kirche

Es bedeutet ein Zweifaches. Erstens: Es gibt nur eine von Christus gewollte Kirche, und das ist die katholische Kirche. Und zweitens bedeutet es auch die innere Einheit der Lehrverkündigung sowohl als auch die einheitliche Führung unter dem Stellvertreter Christi auf Erden, dem jeweiligen Papst. Auch wenn im Augenblick die Kirche von Stürmen gerüttelt und geschüttelt wird, so ist die verbindliche Lehrverkündigung von Seiten des Lehramtes unter Papst und Bischöfen mit dem Papst zusammen einzigartig und unverändert geblieben. Mögen auch Modernisten in Scharen alle möglichen Irrtümer auf den Kathedern „katholischer“ Fakultäten verbreiten, sie sind eben dann nicht mehr katholisch, auch wenn sie äußerlich in der Kirche bleiben, um dieselbe zu zerstören. Die Lehre der Kirche und ihre einheitliche hierarchische Struktur sind dieselben geblieben wie vor 2000 Jahren.

Diese eine Kirche ist die, die Christus gewollt hat. Eine andere hat er nicht gewollt. Er hat die Abspaltungen wegen unserer Sünden zugelassen. Aber gewollt hat er nur die eine katholische Kirche. Es ist deshalb falsch, für die Einheit der katholischen Kirche zu beten; denn das würde ja bedeuten, daß die katholische Kirche ihre Einheit verloren hätte und sie damit gar nicht mehr als die eine von Christus gewollte Kirche existierte. Vielmehr ist es richtig, für die Einheit der Christenheit zu beten, damit alle getrennten Brüder und Schwestern wieder in die Mutterkirche zurückkehren mögen!

Die heilige Kirche

Es bedeutet nicht, daß alle Katholiken heilig sind und alle übrigen Schwerverbrecher. . . Es bedeutet aber, daß durch die Fülle der Sakramente jeder Mensch in der katholischen Kirche die Möglichkeit hat, heilig zu werden! Welch eine Schönheit! Aber auch welch eine Verantwortung!

Die katholische Kirche

Es bedeutet, daß die Kirche nicht auf ein Land, einen Staat oder einen Kontinent beschränkt ist. Vielmehr umfaßt sie die ganze Welt! Und sie ist auch in allen Ländern der Welt präsent. Sie ist auch nicht abhängig von irgend einem Staat oder der „Welt-Staaten-Gemeinschaft“. Das Oberhaupt der Kirche ist der Papst in Rom. Er ist für alle Katholiken in der ganzen Welt zuständig als der Stellvertreter Christi auf Erden.

Gerade dies ist es, was gottlose politische Regime oder Tyrannen wie Hitler, Stalin oder Mao oder andere so maßlos geärgert hat und immer wieder ärgern wird. Der Katholik soll zwar ein guter Staatsbürger sein in allen Dingen, die nicht Sünde sind. Aber die letzte religiöse, innere Autorität für den Katholiken ist in Rom. Es ist der Papst, der über allen Nationen und Nationalismen steht. Im religiösen Bereich – und das ist der tiefste und entscheidendste für einen Menschen – hat der Staat keine Macht über den Katholiken!

Die apostolische Kirche

Es bedeutet, daß das priesterlich/bischöfliche Amt in ununterbrochener Weitergabe von den Aposteln angefangen bis auf den heutigen Tag in der katholischen Kirche existiert. Diese ununterbrochene Weitergabe nennt man „Apostolische Sukzession“. Diese apostolische Sukzession ist Conditio sine qua non für die gültige Spendung der Priester- und Bischofsweihe!

Nach dieser kurzen Skizzierung dessen, was die katholische Kirche ist, nämlich unsere geliebte Mutter, die strahlende Braut Christi, die nichts anders will und kann als ihre Kinder, ja die Menschen der ganzen Welt, lieben und für den Himmel retten und vor der Hölle bewahren, müßte es doch eigentlich klar sein, daß jeder Mensch mit Vernunft, sobald er einmal die Wahrheit erkannt hat, mit Riesenschritten in das Vaterhaus der katholischen Kirche zurückkehren will!

 

 

2. Die Ökumene unter den Christen

Es ist kein Problem, mit getauften Christen zusammen das Vaterunser zu beten. Beim Ave Maria wird es schon problematisch.

Es ist auch kein Problem, mit Christen zusammen an sozialen und karitativen Projekten zu arbeiten.

Erst recht darf es kein Problem sein, friedlich und brüderlich unter Christen miteinander auszukommen. Ich könnte mühelos die Aufzählung erweitern.

Aber der eigentliche „Knack-punkt“ zwischen Katholiken und evangelischen Christen besteht doch vor allem in der nicht möglichen Sakramentsgemeinschaft, solange evangelischerseits Priesterweihe, Meßopfer, sakramentale Beichte etc. abgelehnt werden. Mit einer bloßen „eucharistischen Gastfreundschaft“ ist es nicht nur nicht getan, vielmehr wäre dies eine Herabsetzung und Verformung, ja Zerstörung der hl. Messe. Und da das hl. Meßopfer mehr ist als eine bloße Mahlgemeinschaft; ja da die hl. Messe das Herzstück der Kirche überhaupt ist, gibt es auch in diesem wichtigsten Punkt als Lösung nur die so viel geschmähte Rückkehr-Ökumene. –Ich erlaube mir aber zum Thema Ökumene unter Christen einen Gedanken zu Papier zu bringen, der mir wahrscheinlich wieder einmal manche „Prügel“ einbringen wird: Der Gründer und Stifter der katholischen Kirche ist Jesus Christus selbst, unser Herr und Gott, wahrer Mensch und wahrer Gott, unser Heiland und Erlöser. Er konnte von sich selbst sagen, ja es in die Öffentlichkeit hinausrufen: „Wer von euch kann mich einer Sünde beschuldigen?!“ Seine Gegner verstummten, weil sie zugeben mußten, daß Jesus über alle Sünde erhaben ist. Er, der Heiligste, der je über unsere Erde gegangen ist.

Kann es verboten sein, auf das Leben derer zu schauen, die Religionen gegründet haben? Muß man nicht vielmehr auch die Richtigkeit von angeblichen Aufträgen des Himmels an der Heiligkeit bzw. Unheiligkeit derer messen, die es gewagt haben, eine Tat von solch ungeheurem Ausmaß zu unternehmen, wie es die Abspaltung ganzer Länder von der katholischen Mutterkirche bedeutet!?

Um konkret zu werden: Bei aller Hochachtung, welche ich für viele evangelische Freunde habe, darf man dennoch nicht die Augen vor der historischen Wahrheit verschließen. Man hat Martin Luther mittlerweile sogar in manchen katholischen Kreisen als „Vater im Glauben“ hochgejubelt. Die Wahrheit ist, daß man lieber für ihn beten sollte. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Der wohl selbst für die damalige Zeit einmalige abstoßende Grobianismus Martin Luthers, sein krankhafter Haß gegen den Papst, seine Wut gegen das Meßopfer, den Bruch mit seinen feierlichen Ordensgelübden und die Heirat mit einer Nonne (Katharina von Bora), die ihrerseits ihre Gelübde gebrochen hat und manche Dinge mehr, die die neueste Lutherforschung ans Tageslicht gebracht hat (siehe Albert Mock „Abschied von Luther“, Luthe-Verlag, Köln 1985) – dies alles berechtigt doch zu der Frage: Ist dieser Mann wirklich ein auserwähltes Werkzeug Gottes, welches Jesus benutzt, um die Wunden seiner geliebten Braut, der hl. katholischen Kirche zu heilen?

Luther hat nicht geheilt. Er hat Millionen von Christen in die Abspaltung geführt und sie vom Strom der Sakramente abgekoppelt. Und gerade durch die Sakramente, vor allem durch Beichte und Eucharistie, schenkt uns doch Jesus das göttliche Leben, die heiligmachende Gnade, ohne die wir tote Glieder am mystischen Leibe Christi sind.

Und was die Einheit der Glaubensinhalte im evangelischen Raum betrifft, so ist es eine unzweifelhafte Tatsache, daß sich vom ersten Augenblick an die evangelische Christenheit in viele Denominationen aufspaltete, so daß von der einen evangelischen Kirche nicht mehr die Rede sein kann. Wer das Schifflein Petri verläßt, treibt führungslos im Meer subjektiver sich vielfach widersprechender Meinungen umher und muß sehen, daß er nicht untergeht.

Doch zurück zu den Gründer-persönlichkeiten christlicher Gemeinschaften. Wenn ich anglikanischer Christ wäre und wenn ich die volle historische Wahrheit über das Leben des Mannes erführe, der mit brutalsten Mitteln die englische katholische Kirche von der Mutterkirche abspaltete, dann würde ich nicht nur nachdenklich werden, vielmehr würde ich mich schämen und würde mit Riesenschritten zur katholischen Kirche zurückkehren. Wer sich ein genaues Bild von dem brutalen Sadisten, Mörder, mehrfachen Ehebrecher Heinrich VIII. von England machen will, der lese das ausgezeichnete, erst jüngst nun auch in Deutsch erschienene Buch von Michael Davies „Der Kardinal auf dem Schafott“. Untertitel: Der englische Märtyrer John Fischer (1469-1535), Verlag Kirchliche Umschau, 53809 Ruppichteroth 2002.

Und in der Tat: Bis vor dem 2. Vaticanum gab es eine große Welle von Konvertiten zur katholischen Kirche, vor allem in England, aber auch im übrigen Europa und in Amerika. Doch mit Einsetzen des ständigen Dialogisierens auf mehr oder weniger gleicher Ebene ebbte der Konvertitenstrom geradezu schlagartig ab, und im katholischen Volk begann sich vielerorts eine tödliche Geisteshaltung auszubreiten nach der Devise: Ist alles nicht so schlimm. Wir haben alle den selben Herrgott. Heute sind wir katholisch, nächsten Sonntag evangelisch und übernächsten Sonntag wieder katholisch. . .

Liebe katholische Leser! Werdet euch der Strahlkraft und Einzigartigkeit der katholischen Kirche wieder bewußt! Ich weiß, daß vieles im Augenblick drunter und drüber geht. Aber noch haben wir den Felsen Petri, und der wird bis zum Ende der Welt nicht untergehen. Noch haben wir die Sakramente! Noch haben wir das authentische Lehramt der Kirche.

Du wirst einwenden: Aber in unserem Dorf gibt es keine Beichtgelegenheit mehr, und am Sonntag speist man uns mit Wortgottesdiensten ab, und oft, vor allem in der Faschingszeit, wird die hl. Messe bis zur Unkenntlichkeit zu einem Showgeschäft degradiert. Meine Antwort: Ich weiß um eure Not. Aber dann fahr ins Nachbardorf. Im Zeitalter des Autos dürfte das nicht schwer sein. Ich kenne viele Menschen, die fahren sogar weite Wege, um an einer hl. Messe teilzunehmen, die noch würdig gefeiert wird!

Und, meine lieben evangelischen Freunde und Leser dieser Zeitung!

Lernt die Sakramente der katholischen Kirche kennen. Ihr braucht nichts Gutes aufzugeben, aber ihr bekommt unbezahlbare Schätze dazu, vor allem durch die Sakramente der Beichte und der hl. Messe. Kommt und besucht das Vaterhaus der katholischen Kirche und bleibt in ihm! –Es müßte jetzt eigentlich auch über die Ökumene mit der Orthodoxie geschrieben werden. Aber dazu bräuchte es einen eigenen ausführlichen Artikel. Ich spare mir ihn für eine andere Ausgabe auf.

 

 

3. Der interreligiöse Dialog und die Richtlinien für interreligiöse Gottesdienste

Zu diesem Thema will ich nur ein paar Gedanken niederschreiben. Ausführliche Behandlung des Gegenstandes verschiebe ich auf spätere Nummern vom „Ruf des Königs“.

Dialog heißt ja nichts anderes als miteinander sprechen. Beim interreligiösen Dialog sprechen also Vertreter verschiedner Religionen miteinander. Dabei muß man – wie übrigens bei jedem Gespräch, das diesen Namen verdient – zuhören können, muß sich in den jeweils anderen hineinversetzen und viel Geduld aufbringen können. Was gilt nun im besonderen für den Dialog in Glaubensfragen? Die Antwort lautet: Wenn ich – und das mit Recht – fest überzeugt bin, daß es nur eine Wahrheit geben kann und daß das Gegenteil von der Wahrheit eben Irrtum bedeutet; und wenn ich – wiederum zu Recht – fest überzeugt bin, daß das Christentum, und in spezieller Weise die katholische Kirche die Fülle der von Gott geoffenbarten Wahrheit besitzt, dann darf ich meinem andersgläubigen Gegenüber zwar nicht die Wahrheit mit Gewalt eintrichtern, aber ich muß ihn in Geduld mit Argumenten zu überzeugen versuchen, daß es nur einen Gott geben kann, und zwar den Dreifaltigen, dessen 2. Person zu uns herabgestiegen ist, Fleisch angenommen hat, gekreuzigt wurde und auferstand, um uns von der Sünde zu befreien und den Himmel zu öffnen.

Wenn ich nach viel Mühe und Geduld merke, daß der andere auf kein Argument eingehen will, dann kann ich nicht sagen: „Treffen wir uns also in der Mitte; laßt uns die kontroversen Inhalte übergehen oder noch besser verschweigen und begnügen wir uns mit dem mehr oder weniger vielen Gemeinsamen. Schließlich sorge du, daß du ein guter Buddhist wirst, und du, daß du ein guter Moslem wirst; denn dies sind ja –wenn vielleicht auf ein paar Umwegen – auch Wege zum Heil!“ Diese eben von mir skizzierte Haltung ist Preisgabe der Wahrheit, Preisgabe der katholischen Wahrheit, Verrat an Jesus, Verrat an seinem Missionsbefehl!

Ob man es wahr haben will oder nicht: Durch das jetzt schon Jahre lang anhaltende Sichanbiedern bei interreligiösen Dialogen hat sich längst im christlichen Volk ein synkretistisches Denken breitgemacht, daß es einem den Atem verschlägt. Auch Wortformulierungen, die vor 60 oder 70 Jahren vielleicht sogar mit Exkommunikation belegt worden wären, wie z. B. „Ich habe großen Respekt vor deiner Religion“ u. a. machen einen traurig. Ich kann Respekt vor einem Moslem haben, und ich habe in Algerien von meinen vielen Fahrten her gute Bekannte unter den Muslimen; aber ich darf doch nicht meinen Respekt vor dem Irrtum ausdrücken; denn da bestärke ich den irrenden Mitmenschen ja nur in seinem Irrtum. Und wenn solche Formulierungen von hohen kirchlichen Stellen gebraucht werden, lösen sie einen religiösen Bergrutsch beim einfachen katholischen Volk aus.

Vorläufiger Höhepunkt einer Fehlentwicklung stellen die jüngst veröffentlichten „Richtlinien für interreligiöse Gottesdienste“ dar. Diese von einer Kommission ausgearbeiteten Richtlinien wurden von der Deutschen Bischofskonferenz „mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen“. Auch wenn es noch nicht zu einem Beschluß gekommen sein sollte, ist allein schon die „wohlwollende“ Zur-Kenntnis-Nahme ein Skandal, der seinesgleichen sucht. Es fehlt jetzt die Zeit, näher darauf einzugehen. Ich greife nur kurz einen Punkt auf: Die Richtlinien bestehen darauf, daß bei interreligiösen Gottesdiensten alles unterbleiben muß, was die Vertreter der jeweils anderen Religionen provozieren könnte. Im Klartext hieße das z. B., daß Christen nicht mit einem Kreuzzeichen und nicht mit der Anrufung der Allerheiligsten Dreifaltigkeit beginnen dürften. Auch das „Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geist“ hätte zu unterbleiben. Denn in den Augen der Muslime wäre das ja Götzendienst.

Ich appelliere im Namen unseres Ordens an die Bischofskonferenz, daß sie diese Richtlinien so bald wie möglich wieder vom Tisch fegt! Der Schaden ist schon groß genug. Er soll nicht noch größer werden. Die Veranwortung vor Gott ist riesengroß.

 

Ich schließe diesen Artikel mit dem russischen Jesusgebet: „Herr Jesus Christus – erbarme dich unser – die wir Sünder sind!“