Kurzansprache von Diözesanbischof DDr. Klaus Küng im Anschluss an das Requiem für Pater Andreas Hönisch SJM am 1. Februar 2008 in der Wallfahrtsbasilika zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit auf dem Sonntagberg (NÖ)
(vom Bischof autorisierter Text)
"Der Tod des Gründers ist ein tiefer Einschnitt im Leben einer jungen Gemeinschaft. Ich kann mir vorstellen, dass sein Heimgang und die damit verbundene Trennung von ihm für viele von Ihnen einen tiefen Schmerz bedeuten. Wer an Gott glaubt und an das Leben mit Gott, das ewige Leben, darf auf ein Wiedersehen hoffen. Die Trennung ist trotzdem schmerzhaft, ein Abschied von mehr oder weniger langer Dauer, verbunden mit dem Wunsch, dass wir alle dorthin gelangen, wo wir eines Tages für immer ganz mit Gott vereint sein werden. Wenn man jemanden sehr geliebt hat, der viel Leid ertragen musste und mit dem man manchmal zusammen gelitten hat, dann ist der Schmerz besonders tief. Ich möchte Ihnen meine aufrichtige Anteilnahme zum Ausdruck bringen. Der Schmerz ist wohl auch deswegen groß, weil viele von Ihnen dem Verstorbenen sehr viel verdanken. Sein Weg mit Höhen und Tiefen, wie er uns so eindrucksvoll in der Predigt dargestellt worden ist, war die Voraussetzung für den Weg von vielen von Ihnen. Es hat ihm viele Mühen, viel Leid – das Kreuz – gekostet, um den Weg zu erkennen, der für ihn sicher ein schwieriger Weg gewesen ist, vor allem bestimmte Strecken, manche Phasen dieses Weges waren besonders schwer. Es hat ihm viel Mühe, viel Leid bereitet, diesen Weg einzuschlagen und ihn durchzuhalten. Da waren viel Mut, viel Glaube, viel Vertrauen nötig, eine große Liebe zu Gott und eine große Liebe zur Kirche.
Ich erinnere mich sehr gut an ein Gespräch mit ihm. Es war, wenn ich mich recht erinnere Anfang der 90er Jahre, noch vor der Gründung der "Servi Jesu et Mariae". Er hat mir von seinem Vorhaben erzählt. Es war ihm ein Herzensanliegen, dass dieser Weg ermöglicht wird. Sie sind ihm Dank schuldig.
Dazu kommt, dass nicht wenige von Ihnen, die hier sind, direkt von ihm angesprochen, zu einem "Ja" ermutigt und auf ihrem Weg begleitet worden sind. Gerade weil in seinem Leben das Wirken der Vorsehung Gottes deutlich ist und das Leben vieler von Ihnen betrifft, ist es richtig, wenn Ihre Trauer und Ihre Dankbarkeit sich in einem festen Vorsatz verwandeln. Mir scheint das die Art der Trauer zu sein, wie man sie einem Gründer gegenüber, der einen auf den Weg zu Gott geführt hat, am besten zum Ausdruck bringt: Was würde er Ihnen sagen, wenn er jetzt hier sprechen könnte? Was will Gott uns in dieser Stunde sagen, liebe Brüder und Schwestern? Der Tod des Gründers ist für eine junge Gemeinschaft eine Bewährungsprobe. Da muss sich der Wille zeigen, den Weg des Werkes fortzusetzen, das ins Leben gerufen worden ist, möglichst treu Gott und dem Gründer gegenüber.
Ich erinnere mich sehr gut an das Gespräch mit P. Hönisch, das ich anfangs erwähnte. Wir redeten von den "Servi Jesu et Mariae", wir redeten auch von der Liturgie, von der Tridentinischen Messe und vom Neuen Ordo. Er hatte damals den Gedanken, den er kurz zuvor mit dem damaligen Kardinal Josef Ratzinger besprochen hatte, nämlich dass es ein guter Weg sein könnte, wenn junge Priester zunächst lernen, die hl. Messe im Tridentinischen Ritus zu feiern, um dann auch den Neuen Ordo zu verwenden. So würde die Kontinuität sicht- und erfahrbar. Leider wird das nur von wenigen erkannt, aber genau das entspricht dem Anliegen des Heiligen Vaters, wenn er das Dokument "Summorum
Pontificum" herausgegeben hat: Es muss bewusst sein, dass im alten und im neuen Usus der gleiche Glaube gelebt wird. Im alten und im neuen Ritus ist es der gleiche Herr, der sein Leben hingegeben, sein Blut vergossen hat, und gegenwärtig wird. Es war P. Hönisch auch ein Anliegen, die Einheit mit dem Heiligen Vater und mit allen jenen zu stärken, die mit dem Heiligen Vater verbunden sind.
Mir scheint, dass das am heutigen Tag, da wir P. Hönisch zu Grabe tragen, sicher zur Botschaft gehört, die wir empfangen: Die Aufforderung treu zu sein im Glauben, in der Hingabe an Gott, in der Liebe zur Kirche, verbunden mit dem Heiligen Vater und mit allen jenen, die mit ihm eins sind. Das entspricht dem Wunsch des Herrn: "Ut omnes unum sint" – "Alle sollen eins sein". Es ist das Verlangen, dass alle hineinfinden in den gleichen Strom der "Traditio" im besten Sinn des Wortes. Es ist der eine Glaube, den wir empfangen haben und den wir weitergeben sollen.
Liebe Brüder und Schwestern, Euer Generaloberer hatte eine große Liebe zur Kirche und eine große Liebe zu den Seelen. In der Predigt wurde uns gesagt, dass er in der Regel 1000 km pro Woche gefahren ist. Er hat keine Mühe gescheut und war bis zum Ende seines Lebens unermüdlich tätig. Ich möchte Sie alle ermutigen, wirklich treu sein. Dazu gehört immer auch die apostolische Treue, in der Sorge um die Menschen. Wir müssen das Verlangen haben, dass Jesus Christus, der Erlöser der Welt, an alle herantritt, dass das Heil den Menschen gebracht wird. Ich bitte Sie in seinem Namen – ich denke, dass ich das als Ortsbischof sagen darf -, Vertrauen zu haben, ebenso die Fröhlichkeit, die er gehabt hat. Es hat mich immer wieder gefreut, zu sehen, dass P. Hönisch froh war, nicht verbittert, auch in diesen letzten drei Jahren, in denen ich ihn mehrmals getroffen habe. Er war froh, ein froher Mensch.
Auch Ihnen wünsche ich ein frohes Herz ohne Bitterkeit, mit dieser Liebe Jesu Christi, mit dem Verlangen, mit IHM eins zu sein, sodass seine Liebe, die Liebe Christi, gegenwärtig wird. Christus wird Ihnen beistehen. Sie werden aber auch jene Erfahrung kennen lernen, die bei so einem Abschied häufig zuteil wird: dass jemand, den man sehr geliebt und dessen Hilfe man oft erfahren hat, einem nach seinem Weggang, nach seinem Tod näher ist als vorher. Der Verstorbene ist jetzt näher bei Gott, kann Ihre Nöte besser sehen. Er wird Ihnen beistehen auf allen Ihren Wegen. Ich wünsche Ihnen: P. Hönisch möge Ihnen eine Hilfe sein, um treu im Dienst des Herrn zu leben.
